Diplomarbeiten der HTL beschäftigen sich für gewöhnlich mit technischen Optimierungen oder Weiterentwicklungen und umfassen im Durchschnitt 200 Arbeitsstunden pro Schüler. Die angehenden Wirtschaftsingenieurinnen Maria Dieminger aus Seitenstetten, Verena Hintsteiner aus Gresten, Hana Hrncic aus Weyer
und Theresa Kraus aus Euratsfeld haben in ihre ungewöhnliche Idee, als Diplomarbeit einen Thriller zu schreiben, zu verlegen und zu vermarkten, bereits mehr als das Doppelte an Zeit investiert. Betreut werden sie dabei von ihrer engagierten Deutschprofessorin Mag. Simone Atteneder und Dr. Gernot Mevec. Worum es in dem Thriller geht, wie der Schreibprozess abgelaufen ist, wer sich um das Marketing kümmert und welche Pläne die Fünftklässlerinnen für die Zeit nach der Matura anstreben, das erzählen die beeindruckenden Neo-Autorinnen „Ybbstaler“-Redakteurin Karin Novak in den einladenden Räumlichkeiten der HTL-Bibliothek
| Eure Diplomarbeit entspricht nicht den klassischen Themen der HTL. Wie entstand die Idee, einen Thriller zu schreiben? Maria: Bereits in der vierten Klasse ist der Abteilungsleiter mit der Idee eines Projekts, nämlich der Aufarbeitung der Eisenstraße, an uns herangetreten. Entlang der Eisenstraße gibt es – allein kleinregional gesehen – also von Ybbsitz bis Waidhofen zahlreiche interessante Unternehmen. Die Recherche ergab, dass es schon einiges an Sachbüchern, Filmen und Dokumentationen rund um die Eisenstraße gibt. Theresa: Und dann haben wir gesagt, wir machen etwas anderes. Etwas, womit wir eine breitere Zielgruppe erreichen, vor allem die Jugend, und so sind wir auf die Idee gekommen, einen Thriller zu schreiben, der die Region und ihre Schauplätze, den technischen Fortschritt und die wirtschaftliche Lage auf unterhaltsame Weise beleuchtet. Wie heißt euer Thriller und worum genau geht es? Hana: Er titelt auf „Als das Feuer erlosch – Ein mysteriöser Fall im Ybbstal“ und handelt von Katharina, die in Wien studiert und nach längerer Zeit ihre Familie Ybbsitz besucht. Ihr Verhältnis zur Familie ist eher angespannt und schwierig. Als sie also nach Längerem wieder nach Hause kommt, findet sie heraus, dass ihr Vater, ein Schmied, verschwunden ist. Gemeinsam mit Jakob, dem Lehrling des Vaters, begibt sie sich auf die Suche nach ihm. Dabei stoßen die beiden auf viele Geheimnisse aus der Vergangenheit. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten. Wir wollen nicht die komplette Spannung vorwegnehmen. (lacht)Wann habt ihr mit dem durchaus aufwendigen Projektbegonnen? Hana: Wir haben uns bereits in den Sommerferien getroffen, um den Inhalt und einen ungefähren Spannungsbogen zu erarbeiten. Vor Weihnachten waren wir dann mit dem Schreiben fertig, dann kam das Korrekturlesen, die Auseinandersetzung mit Druck, Marketing, Sponsorensuche. Maria: Und darüber hinaus mussten wir die eigentliche Diplomarbeit über das Projekt auch noch verfassen. Während alle unsere Kollegen ihre Diplomarbeiten längst abgeschlossen haben, stecken wir noch mittendrin. Also nicht im Verfassen der Diplomarbeit, aber darin, das Projekt Buch nun auch auf die Straße zu bringen. Es hat ja jede ihren eigenen Schreibstil. |
Wie funktionierte das „gemeinsame“ Schreiben? Gab es einen roten Faden? Verena: Wir haben in Vierer- Kapiteln grob den Inhalt durchbesprochen. Danach hat sich jede hingesetzt und ihr Kapitel geschriebenWir haben uns auch für Perspektivenwechsel entschieden, eine schrieb aus Katharinas Sicht, eine andere aus der von Jakob, weshalb die unterschiedlichen Schreibstile sogar ganz passend waren. Danach haben wir uns wieder zusammengesetzt, die geschriebenen Kapitel aufeinander abgestimmt und die nächsten vier Kapitel geplant. Das hat relativ gut funktioniert. Wusstet ihr von Beginn an, wer der Täter ist? Oder wurdet ihr selbst von ihm überrascht? Theresa: Nein, wir wussten es selbst nicht, das hat sich während des Schreibprozesses sogar ein paar Mal geändert. (lacht) Das Schwierige am gemeinsamen Schreiben war, dass jede ihre Vorstellung, ihre eigene Version von den Protagonisten, der Entwicklung der Story hatte. Das zu vereinen, war schon eine Herausforderung. Kann man das Buch kaufen? Sprich habt ihr einen Verlag gefunden? Maria: Wir drucken das 250-seitige Softcoverbuch im Eigenverlag. Wie hoch die Auflage sein wird, wissen wir noch nicht genau. Da diskutieren wir noch. Ab Mitte Juni wird es dann erhältlich sein – und zwar über uns Autorinnen, in der HTL Waidhofen und im FeRRUM in Ybbsitz. Mal schauen, vielleicht finden sich noch weitere Verkaufsstellen. Konntet ihr für euer Projekt Sponsoren finden? Hana: Wir haben vor allem Firmen, die in unserem Buch vorkommen, angefragt und auch Sponsoren gefunden, darunter die Firma Welser und das Ingenieurbüro Dr. Gernot Mevec. Unsere Suche ist aber noch nicht abgeschlossen, wir freuen uns über jeden weiteren Sponsor. Wer übernimmt das Marke t i n g und wie wird es angelegt? Ma r i a : Dahinter stehe ich. Ich habe mir die Zielgruppen angeschaut und festgestellt, sie sind stark regional, weshalb auch das Marketing regional angelegt wird. Wie eben schon hier mit dem Interview für den „Ybbstaler“. Wir überlegen auch, wie wir unsere Heimatgemeinden einbinden können. Und natürlich werden wir auch Social Media nutzen.Wird es auch eine Präsentation, eine Lesung geben? Theresa: Dazu gibt es noch keine konkreten Pläne. Aber bei uns in der Schule, vielleicht auch in anderen Schulen, in den genannten Firmen und den jeweiligen Eisenstraße- oder auch Heimatgemeinden können wir uns schon eine Präsentation vorstellen. Auch, um den Umsatz anzukurbeln. (lacht) Was werdet ihr mit dem Erlös machen? |
Hat eine von euch „literarisch“ Blut geleckt und will am Schreiben festhalten? Verena: Man soll ja nie etwas ausschließen, aber konkrete Pläne hat, glaube ich, keine von uns. Oder? Theresa: Da kann ich mich Verena nur anschließen, derzeit habe ich nicht vor, noch einmal ein Buch zu schreiben.Abgesehen von eurem Thriller, welches Buch sollte manauf jeden Fall gelesen haben? Hana: Ich mag spannende Bücher, Thriller ist schon mein Genre. Aber mein Lieblingsbuch ist „Der Alchimist“ von Paulo Coelho. Maria: Ich bin auch auf der Thriller-Schiene unterwegs und ein Riesenfan von Dan Brown, da kann ich mich zwischen „Illuminati“ und „Sakrileg“ – welches das Bessere sein soll – nicht entscheiden. „Der Insasse“ von S e b a s t i a n Fitzek ist auch eines meiner Must-Reads. Verena: Das ist eine schwierige Frage. Für mich ist das Genre nicht so wesentlich, für mich muss ein Buch sprachlich etwas hergeben. Eines meiner zuletzt gelesenen Bücher, das ich gut fand, war „In einem Zug“ von Daniel Glattauer. Theresa: Die Eleria-Trilogie von Ursula Poznanski. Was habt ihr nach eurem Abschluss an d e r HTL vor? Th e -r e s a : I c h b i n noch unschlüssig. Hana: Ich werde an der FH Steyr Finanzmanagement, Rechnungswesen und Controlling studieren. Maria: Ich werde bei der Firma BMW Group in Steyr in der Prozessoptimierung arbeiten und nebenberuflich Smart Production Management studieren. Verena: Ich werde in Wien Lehramt Deutsch und Physik studieren. V i e l e n Dank f ü r d a s Gespräch |
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